Für uns alle völlig überraschend, starb unser Mitglied Carl Collin Eriksen am 28. November 2004. Die Beisetzung fand am 3. Dezember in der Friedhofskapelle Mariebjerg statt. Viele Trauergäste waren anwesend. Der Opernsänger Svenning Kirk-Larsen sang Schuberts Ave Maria. Mehrere Trauerreden wurden gehalten, hier der leicht gekürzte Redetext von Jens Lund vom Vorstand der Selskabet Bellman i Danmark:


Die dänische Bellman-Gesellschaft hat Carl Collin viel zu verdanken. Carl gehörte zu dem kleinen Kreis von Gründungsmitgliedern im Jahre 1993, und er war von Beginn an bis vor wenigen Jahren Mitglied des Vorstandes. Aber vor allem war Carl Initiator und Projektleiter und kämpferischer Redakteur in dem 4 Jahre dauernden Projekt der Produktion einer CD-Box mit dem Titel Bellman i Danmark.

Das Projekt hatte viele Mitwirkende und Mitarbeiter, darunter den Mitredakteur Hasse Nilsson und etliche Sänger, doch Carl war die beinahe allgegenwärtige Triebfeder, war Kapitän und zugleich Maschinist für viele Teilprozesse, in Kontakt mit Künstlern, Copyrightinhabern, Druckanstalt, CD-Fabrikation, potentiellen Sponsoren, Fonds, Institutionen.

Das prächtige Ergebnis war eine Box mit 2 CDs mit insgesamt 45 Liedern; einige auf schwedisch von schwedischen Bellman-Sängern bei Auftritten in Dänemark vorgetragen, einige auf schwedisch von dänischen Sängern. Einige sind dänische Lieder auf Bellman-Melodien. Der größte Teil aber sind Bellman-Lieder, von Dänen auf dänisch gesungen. Insgesamt zwei Drittel waren Neuaufnahmen. In der Box enthalten ist auch ein 160seitiges wunderschönes Buch, mit ausführlich kommentierten Liedertexten und vielen farbigen und schwarzweißen Bildern. Dies alles sage ich nicht, um Werbung für die Box zu machen, die ja ausverkauft ist, sondern um einen Eindruck von der großartigen Leistung von Carl zu geben und um unsere Dankbarkeit auszudrücken.

Für mich selbst will ich sagen, daß ich Carl als Freund erlebt habe. Am meisten entfaltete sich unsere Verbindung in langen Telefongesprächen – meist mit einem sachlichen Ausgangspunkt – die sich regelmäßig zu gemütlichen, für mich lehrreichen und unterhaltsamen Gesprächen entwickelten.

Und letztes Jahr reisten wir gemeinsam zu den Bellman-Festtagen in Wismar – der gut bewahrten und danach ebenso gut instandgesetzten deutschen Ostseestadt mit einer Vergangenheit als mächtige Hansestadt im Mittelalter und als schwedische Besitzung während fast drei Jahrhunderten seit dem dreißigjährigen Krieg bis 1903. Unvergeßlich ist mir geblieben, wie wir auf dem weitläufigen alten Markplatz der Stadt unter einer Treppengiebelfassade von 1380 saßen, und das Bier in unseren zum Skål erhobenen Gläsern glitzerte in der kräftigen Spätsommersonne der letzten Septembertage.

Und wenn ich auch jetzt betrübt bin, so weiß ich doch, daß ich in Zukunft oft froh sein werde, wenn ich an Carl denke.


Wer kennt wohl unsren Bruder nicht?
Sein Schatten Abschied nahm vom Licht,
und seine Harfe schweigt im Wald,
ihr Klang jedoch noch widerhallt.

C.M. Bellman, aus Bacchi Tempel: “Vem är som ej vår broder minns?”
28. Nov. 2004
Jens Anthon Lund