Das Jahrestreffen 1.bis 4. Februar 2008

Bellman und die Waldeck  –  Impressionen während der Bellman-Tage auf Burg Waldeck.
Von Mercedes Oeß:

Die Deutsche Bellman-Gesellschaft wieder auf der Waldeck
Von Borghild Niemann und Ursula Menn-Utschick

Die Bellman-Tage im Überblick





Bellman und die Waldeck – Impressionen während der Bellman-Tage auf Burg Waldeck im Februar 2008

Es wäre schade, wenn das Bellman-Treffen vom Fastnachtswochenende, welches sich um die alljährliche Mitgliederversammlung rankte, ein Unbeschriebenes bliebe. Zu viele schöne und spannende Eindrücke und Begegnungen gab es, füllten die Tage und ließen sie fast zu schnell wieder vergehen. Ich habe mich daher entschlossen, diesen Bericht zu verfassen, um all denen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht teilnehmen konnten, die Gelegenheit zu geben, wenigstens im Nachhinein dieses Wochenende mitzuerleben. Vielleicht gelingt es mir aber auch, den ein oder anderen, der noch nie teilgenommen hat, zu einer der nächsten Begegnungen zu locken (sie finden ja mindestens 1 x pro Jahr statt).

Ali Kuhlmann hatte also vom 1. – 4. Februar die Burg Waldeck, nahe Kastellaun im Hunsrück gelegen, für das Mitgliedertreffen 2008 reservieren lassen. Die Waldeck hat eine lange und umtriebige Geschichte, gerade, was die Musikszene betrifft. Es lohnt sich ein Blick auf die Internetseite, um über aktuelle Geschehnisse informiert zu werden (www.burgwaldeck. de). Dieser Ort also diente bereits das 3. Mal als Treffpunkt der Bellman-Freunde und hat sich durch seinen besonderen Flair bewähren können. Für die Einen ist gerade der ein wenig jugendherbergsartige, alternative Rahmen reizvoll, welcher sich übrigens in der Küche nicht wiederfindet – die Verköstigung war hervorragend!! Für die anderen, die diesen idyllisch gelegenen Ort mit der sympathischen Atmosphäre gerne besuchen, ihn zur Schlafenszeit aber auch genau so gerne wieder verlassen, für die bot das nahe gelegene Dorf Zimmer in Privatpensionen an, die bei ihren Gästen auf große Zufriedenheit stießen. Ali gebührt an dieser Stelle übrigens ein besonderes Dankeschön und ein Lob für seine Organisation. Gewiß waren viele Telefonate notwendig, Buchungen, Anund Abmeldungen, Planung des Abholservice, Abrechnungen usw., bis Alles so seine Richtigkeit hatte. Ich hoffe, dass die positiven Erlebnisse auch für ihn und seine Frau einen Erholungseffekt hatten.

Der Freitag Nachmittag und frühe Abend standen im Zeichen der Ankunft, der Begrüßung, des Wiedererkennens und der Wiedersehensfreude. Auch des Bedauerns, dass einige Erwartete entweder aus gesundheitlichen Gründen oder anderer Umstände wegen nicht kommen konnten.

Achim Maas, der mit dem ersten Teil der “Berliner Delegation” eingetroffen war, eroberte für sich und uns das neu angeschaffte Klavier im Kaminzimmer und spätestens jetzt konnte jeder hören, unter welchem Motto unsere Begegnung stand: “Bellman forever”, allerdings tauchte auch zu diesem Zeitpunkt bereits “John Dowland” (1563 -1626) auf.

Es folgte eine kleine “Trainingseinheit” für alle sangesfreudigen Anwesenden. Achim brachte uns professionell (“der Lehrer in mir läßt sich nicht ganz verbergen”, Zitat A.M.) den 4stimmigen Kanon “Blåsen nu bröder” bei, der kurz nach Bellmans Tod erschienen sein soll. Borghild Niemann übernahm die lautsprachlichen Übungen für den schwedischen Text. So konnten wir diesen Kanon bald in 4 Gruppen und 3 Varianten singen. Achim hatte, so glaube ich, bereits für die beiden Übertragungen ins Deutsche gesorgt (ein wenig muß an dem Text noch gefeilt werden, damit es passt, das kann aber jeder so tun, wie er mag). Das Lied ist am Ende dieses Berichtes zu finden.

Das “offene Programm” mit Günter Gall, Achim Maas und Jürgen Thelen (auch bekannt unter Theolonius Dilldapp) wurde ein sehr buntes Programm. Das Kaminzimmer war voll, man konnte sich genussvoll zurücklehnen und zuhören, aber auch mitsingen. Und natürlich wurde auch Bellman zum Besten gegeben “aber nicht nur”.   Ich denke die von Jan vorgetragenen Moritaten über die Tante, das Gaswerk und seinen Gaswerksinspektor, über den armen Paule und das Scherenschleifen werden wir nicht so schnell vergessen, ebenso wenig wie den “unvergleichlichen” Klang seiner kleinen Hopf-Gitarre. So gegen 3 Uhr in der Früh endete die erste Abendveranstaltung.

Der Samstag zeigte sich wettermäßig von einer sehr schönen Seite. War am Tag vorher der Winter mit Schneefällen in den Hunsrück zurückgekehrt, so blinkten nun die Felder weiß verzaubert unter dem blauen Himmel. Der Vormittag stand zur freien Verfügung und lud zum Spaziergang ein. Die letzten erwarteten Mitglieder und Gäste erreichten die Waldeck. Pünktlich um 15 Uhr begann die Mitgliederversammlung (Einzelheiten hierzu kann man im Protokoll nachlesen). Fast ebenso pünktlich der im Programm angekündigte und von vielen Interessierten besuchte Vortrag von Prof. Dr. Kreutzer über “Bellman vor dem musikalischen Hintergrund seiner Zeit”. Es war wirklich sehr spannend, dem Referenten in seinen Ausführungen zu folgen. Anhand zahlreicher Musikbeispiele zeigte Prof. Dr. Kreutzer, der übrigens auch Mitglied in der Deutschen Bellman-Gesellschaft ist, frappierende Ähnlichkeiten und Gleichheiten einiger Kompositionen Bellmans mit der anderer zeitgenössischer Komponisten auf. Doch dies generell mit einem “Melodiediebstahl” abzutun, wäre nicht immer zutreffend. Denn oftmals sei dieser “Klau” eher als eine Art Huldigung an den Komponisten zu verstehen. Der Vortrag wurde uns übrigens freundlicherweise zum Nachlesen vom Autor zur Verfügung gestellt; der Text ist nachzulesen und die Musikbeispiele sind hier zu hören >> Gert Kreutzer: Bellman vor dem musikalischen Hintergrund seiner Zeit >>

Das für den Abend geplante Gesprächskonzert mit Dieter Möckel und Klaus-Rüdiger Utschick mußte leider ausfallen, wurde aber galant abgefangen von Günter Gall, Achim Maas und Hans-Dietrich Mohr (eher bekannt unter “Bömmes”), die unter dem Thema “Improvisierte Improvisation” den ersten Teil des Abends gestalteten. Achim Maas sah sich als “Vorgruppe” (eigenes Zitat) und heizte das Publikum kräftig an, noch bevor seine Kollegen überhaupt den Saal betreten hatten. Dass dann erst einmal Lieder über Hunde und nicht von Bellman vorgetragen wurden, lag wohl an der braun-weißen Sherry, Bömmes' australischem Hütehund, die ihre eigene Bühnenerfahrung machen wollte und sich sichtlich wohl fühlte inmitten der drei Sänger. Allerdings hatte Günters “Bell, Mann!” bei ihr keinen Erfolg. Günter Gall bot übrigens mit seiner klaren und frechen Tenorstimme eine professionelle Darbietung (trotz vergessener Bellmanhose). Es ist immer wieder schön und interessant ihm zuzuhören. Auch seine ins Platt übertragenen Bellmanlieder waren eine Freude. Achim Maas hielt es an diesem Abend eher mit John Dowland. Diesen bot er aber besonders gefühlvoll im Gitarrenspiel wie im Gesang dar. Die leise Stimme von Bömmes, sowie dessen melodiöse Art der Gitarrenbegleitung ließ die Zuhörerschaft dahinschmelzen und entführte sie in seine “Zaubergärten” (Titel seiner CD). Auch Klaus-Rüdiger Utschick konnte sich mit Rezitationen der schwedischen Fassung einiger Lieder einbringen, was der Gesamtimprovisation weitere Klangfarbe verlieh. Mit viel Beifall für die Künstler endete diese Vorstellung. Dass es eine Fortsetzung im Kaminzimmer gab, muß fast nicht erwähnt werden. Es entwickelte sich eine lange Nacht der Liedkulturen, eine musikalische Weltenreise. Und es scheinen vor allem die frühen Morgenstunden zu sein, in denen die “Alt-Waldecker” in bester Form sind. Allerdings gibt es da auch absolut text- und melodiensichere Bellmänner, die von allzu frühem Ins-Bett-gehen nicht viel halten. Diese Unentwegten hatten das Vergnügen, bei wolkenfreiem Himmel und damit sternenklarer Nacht den Lauf des Orion bis zu seinem Untergang verfolgen zu können.

Wolkenfrei war auch der Sonntag. Nach einem ruhigeren Frühstück brachen die Ersten zu ihrer Heimreise auf. Sie werden eine bessere Fahrt als bei der Hinreise gehabt haben. Ich schloss mich der Gruppe an, die sich einen etwas ausführlicheren Spaziergang vorgenommen hatte. Dommershausen war unser Ziel, mit kleiner Verschnaufpause in der dortigen Gastwirtschaft und leichter Irritation des dortigen Gastwirtes, der um diese Uhrzeit nicht mit der Stimmgewalt unserer Männer gerechnet hatte.

Für den Nachmittag stand wieder Bellman auf dem Programm. Trotz des späten Auftritttermins waren erfreulich viele Menschen als Zuhörer gekommen. Die Schweizer Gruppe “bELLMANSbAND”, die sich ansonsten mit mittelalterlicher Musik beschäftigt, gab ihr Debut in Deutschland. Das Quartett war musikalisch virtuos besetzt mit der Gitarristin Susanne Scheier, der Flötistin Veronika Ortner-Dehmke und dem Cellisten Beat Appenzeller. Der Vierte im Bunde war der Gitarrist oder besser Knickhalslautenspieler und Bellman-Interpret Urs Stieger. Für mich war die Darstellung ihres Bellman etwas schwere Kost. Es gab meines Erachtens zu wenig Platz für das Komische, das Sensible, das Feine und Leichte in den Bellmantexten und auch in der gesanglichen Interpretation. Aber dies ist eine Geschmacksfrage.

Das Leichte wurde uns glücklicherweise noch nach dem stärkenden Abendessen geboten. Noch einmal wurden wir verzaubert, diesmal von Jochen Leibl, der für uns eine ganze Zaubergala hinlegte. Zwar ließ er keine Kaninchen aus dem Zylinder springen, doch dafür fing er kleine rote Wuschels in Papiertüten auf, las die Gedanken einiger Zuschauer, verblüffte mit wandernden Bällen und Knoten, produzierte 50-Euro-Scheine usw. Es war ein richtig großer Spaß ihm zuzuschauen.

Musikalisch gings dann wieder weiter mit Jürgen Thelen und seinem Compagnon, dessen Namen mir leider unbekannt ist. Er spielte wunderbar eine Brettgeige. Und jetzt könnte man meinen, so langsam müßte es doch dem Ende zugehen. Einige waren eh' schon fort, die bELLMANSbAND war ebenfalls abgereist, Jürgen konnte auch nicht ewig singen und außerdem war es sowieso schon wieder der nächste Tag . . .

Ja, es ging wirklich dem Ende entgegen, aber erst weitere zwei Stunden später. Da war ja noch Achim Maas und sein so sanfter John Dowland. Und nicht nur der: Auch Bellman noch einmal, mit viel Liebe dargeboten und einer äußerst gespannt zuhörenden Zuhörerschaft. Es war wirklich ein wunderschöner Abschluß – für mich.

Dass es am Rosenmontag für einige noch den Beltheimer Karnevalsumzug gab und ein hoffentlich leckeres (“Ja, war es!” Uta) Heringsessen, das möchte ich nur erwähnen, ich war da bereits auf dem Nachhauseweg. Aber vielleicht hat da die “Berliner Delegation” noch ein paar Impressionen parat (Fotos z.B.: mit roter Nase und so). Ich hoffe das Lesen hat Euch ein wenig Spaß gemacht!

Ich möchte mich nun bei allen für Ihre Darbietungen bedanken, freue mich, Euch bald wiederzusehen oder zu -hören. Bis spätestens jedoch im nächsten Jahr in Berlin!

Mercedes Oeß



Melodie: Blåsen nu bröder




Die Deutsche Bellman-Gesellschaft wieder auf der Waldeck

1. bis 4. Februar 2008

Zum dritten Mal war unsere Bellman-Gesellschaft auf der Burg Waldeck zu Gast. Auf dem Programm standen die Jahreshauptversammlung und einige öffentlich zugängliche Veranstaltungen. Teilnehmer aus ganz Deutschland trafen schon am Freitagabend an diesem inzwischen liebgewordenen Ort ein. Nicht nur die Unterbringung und die erstklassige Verpflegung, sondern auch die wunderbare, uns schon vertraute Atmosphäre machten den Aufenthalt wieder zu einem Erlebnis.

Am Freitagabend saßen wir ungezwungen im Kaminzimmer bei Musik und Wein zusammen.Günter Gall, Achim Maas, Jürgen Thelen (Thelonius Dilldapp) und Musikanten aus dem Publikum spielten und sangen. Wir sangen mit, und es wurde sehr spät. Am Sonnabend hatten wir unsere Mitgliederversammlung zu absolvieren. Danach wurde es musikalisch-wissenschaftlich-kurzweilig: Gert Kreutzer hielt einen Vortrag über “Bellman und die zeitgenössische Musik”. Anhand einiger Musikbeispiele aus Bellmans Zeit veranschaulichte er, wie Bellman Musik und Dichtung zusammenfügte, und erweiterte damit unser Wissen über Bellmans unglaublich kunstvolle Weise, Melodien seiner Zeit zu verwenden. Am Abend hörten wir ein großartig improvisiertes Konzert mit Bömmes, Günter Gall und Achim Maas. Die Stimmung wuchs und der Abend dauerte noch länger als der vorige. Der Sonntagvormittag stand zur freien Verfügung. Für den Nachmittag war das Konzert der in Deutschland debütierenden Schweizer Gruppe bELLMANSbAND angesetzt. Mit einer herausragenden musikalischen Umrahmung von Beat Appenzeller (Cello), Veronika Ortner-Dehmke (Flöten), Susanne Scheier (Gitarre), zeigte der Sänger und Gitarrist Urs Stieger uns seine Art, Bellman zu sehen. Am Abend erfreute uns Jochen Leibl mit einer atemberaubenden Zaubervorführung, assistiert von Personen aus dem Publikum, die auch verzaubert waren und nicht wußten, wie ihnen geschah. Der Abend wurde  –   siehe oben! Am Rosenmontag ließen die übriggebliebenen Teilnehmer es sich nicht nehmen, den Karnevalsumzug in Beltheim zu besuchen. Abends waren wir beim Heringsessen in Dommershausen. Anschließend haben wir im Kaminzimmer auf der Burg Bellmans Geburtstag auf schwedisch gefeiert.

Wir danken Ali Kuhlmann für die hervorragende Organisation, Burgvogt Happy und seinem Team für die gute Betreuung. Unser Aufenthalt wurde wie immer durch Waldecker bereichert, die uns mit Spiel, Gesang und guter Stimmung erfreuten.

Borghild Niemann und Ursula Menn-Utschick





Die Bellman-Tage im Überblick

Freitag,1.2.
nachmittag Eintreffen der ersten Teilnehmer
Einstudieren eines Kanons mit Achim Maas
abends Offenes Programm mit Günter Gall, Achim Maas
Jürgen Thelen, Jan Koch . . .

Samstag, 2.2.
vormittag: was beliebt
15.00 Uhr Jahreshauptversammlung
16.30 Uhr Vortrag von Prof. Dr. Gert Kreutzer:
Bellman vor dem musikalischen Hintergrund seiner Zeit (mit Musikbeispielen)

20.00 Uhr Konzert im Sälchen: Achim Maas, Günter Gall und Bömmes
danach Geselliger Abend mit Spiel und Gesang

Sonntag, 3.2.
vormittag: was beliebt
16.00 Uhr Konzert: bELLMANSbAND aus der Schweiz
20.00 Uhr Zaubershow mit Jochen Leibl
danach Geselliger Abend mit Spiel und Gesang

Montag, 4.2.
vormittag/mittag: Rosenmontagszug und Heringsessen
abends Geburtstagsfeier von Carl Michael

Dienstag, 5.2.
Abreise der letzten Teilnehmer