<< Bilder vom Jubiläum <<

Zehn Jahre Deutsche Bellman-Gesellschaft
Jubiläum wurde in Walkenried gefeiert.

Die regelmäßigen Treffen der Deutschen Bellman-Gesellschaft konzentrieren sich nach und nach auf bestimmte Orte. Neben Berlin und der Burg Waldeck ist dies in zunehmendem Maße auch Walkenried im Südharz. Dessen historisches Zisterzienserkloster verfügt über einen Kreuzgang, der immer wieder gerne als Konzertort genutzt wird. Martin Bagge, der derzeit wohl vielseitigste schwedische Bellman-Interpret und Ehrenmitglied der Deutschen Bellman-Gesellschaft, trat im Mai bereits zum zweiten Mal dort auf. Mit seinen vielseitigen, sich stets auch in theatralisch-dramatischen Dimensionen bewegenden Interpretationen erfüllte er die Erwartungen der Bellman-Kenner und dürfte so manchen “Neuling” für die Kunst Bellmans begeistert haben.

Nachdem man sich schon am Freitagabend in beste Stimmung gebracht hatte, standen in der Mitgliederversammlung am Samstag zunächst eher “trockene” Themen im Mittelpunkt. Einige formelle Beschlüsse, die getätigt werden mussten, um als gemeinnütziger Verein anerkannt zu werden, wurden ohne große Diskussionen verabschiedet.

Martin Bagge muss Bellmanianern eigentlich nicht mehr beschrieben werden. So viele Eulen haben in Athen gar nicht Platz. Für den Autor dieser Zeilen, der ihn in Walkenried zum zweiten Mal live erlebt hat, verfestigte sich der Eindruck eines singenden Schauspielers. Er interpretiert nicht nur den Text, sondern geht ganz in der Rolle als “Bellman” auf. So könnte es geklungen haben, wenn Bellman selbst seine Lieder in den Stockholmer Kneipen vorgetragen hat. Wohl wissend, dass in den “Walkenrieder Kreuzgangkonzerten” nicht nur Spezialisten sitzen, streute Bagge in seine abwechslungsreichen und humorvollen Moderationen immer wieder interessante Infos aus Bellmans Leben ein. Zu den üblichen zwei Sprachen, in denen er sonst seine Bellman-Programme vorträgt (deutsch und schwedisch), kamen diese Mal noch zwei weitere hinzu: chinesisch und isländisch. Wie aktuell Bellman heute noch ist, zeigte sich in der Liedzeile “Banken steh’n vor dem Bankrott” (Epistel 24), die mit allgemeiner Heiterkeit im Publikum kommentiert wurde. Sage da noch einer, Geschichte wiederhole sich nicht...

Nach dem Konzert saß man gemütlich im “Goldenen Löwen” in Walkenried zusammen. Es wurde viel gesungen, nicht nur Bellman. Achim Maas aus Potsdam sang “die” Hymne aller Musikfreunde, die es gerne “unplugged” haben: “Ein Stück Musik von Hand gemacht” von Reinhard Mey, und auch Hans Fabian “Giacomo” Schimmelpfennig sorgte mit seinen Liedern für äußerst heitere Stimmung. Einen kleinen Vorgeschmack auf die abschließende Matinee des folgenden Tages lieferten vier der fünf “Zellerie Brüder und Schwestern” aus Langenhagen bei Hannover, die sich auch noch zu später Stunde mit “Solen glimmar blank och trind” (Epistel 48) als veritables Vokalensemble präsentierten.

Was dann am nächsten Morgen in einem mehr als 90 Minuten dauernden Programm in historischen Kulissen und mit entsprechender Kostümierung geboten wurde, war denn auch gesanglich vom Feinsten. In diesem wunderbaren Bilderbogen, sehr sinnfällig mit verteilten Rollen dargeboten, waren zahlreiche Bellman-Hits vertreten, und man hätte als Begrüßung höchstens noch den “Tanz” (Epistel 13) erwartet. Wie auch Bagge am Vorabend wurden die Interpreten nicht ohne mehrere Zugaben entlassen.

Joachim Buch