Bellman-Musiktheater auf der Waldeck
“Gustafs skål” und “Da ich bin, so will ich leben”

6. Februar: Gustafs Skål! Köstlicher Bellman-Bühnenulk von Jürgen Thelen und Andreas Krall

Für uns Mitglieder der Deutschen Bellman-Gesellschaft und weitere Interessierte fanden auch zwei musikalische Veranstaltungen statt: auf der Bühne auch Mitglieder unseres Vereins.

Am Samstag abend präsentierten Jürgen Thelen und Andreas Krall die Uraufführung ihres selbst geschriebenen Bühnenstückes “Gustafs Skål”, das Episoden aus Bellmans Leben und zeitgeschichtliche Fakten aus dem Schweden des 18. Jahrhunderts zu einer amüsanten Geschichte zusammenfügt.

Jürgen Thelen spielte und sang als Carl Michael Bellman, während Andreas Krall abwechselnd in die Rolle von Bellmans Freund Jergen Puckel und eines gewissen Grafen von Zinnendorf schlüpfte, einer nach dem Vorbild Cagliostros erfundenen Figur. Die Rahmenhandlung bildet eine Einladung Bellmans an den Hof Gustafs III., für die er und Jergen Puckel noch kräftig üben müssen. — Köstlich, Jergens Üben am Spinett: ganz echt mit Fluchen und falschen Tönen. — Allerdings war die musikalische Ausführung der beiden Künstler alles andere als stümperhaft. Meisterlich brillierte Jürgen Thelen mit seiner sonoren Stimme und auf Laute, Spinett und verschiedenen Flöten, Andreas Krall ebenfalls mit Gesang und Spinett-Spiel, begeisterte aber auch mit Zaubereien und magischen Darbietungen.

Und wenn Gräfin Uta den Gedankenmanipulationen Graf von Zinnendorfs nicht widerstanden hätte, wer weiß, was sonst noch geschehen wäre . . .

Dem kundigen Publikum boten die beiden Künstler einige der besten Lieder Bellmans: “Gustafs Skål”: die Hymne auf den König, “Ach, meine Mutter” (Epistel 23), “Grad wie eine Hirtin feingemacht” (Epistel 80), “Blas, Vater Berg, mit Klagen” (Epistel 12), “Hagas Zaubergärten” (Sång 64), “Blast, Musikanten” (Epistel 4), “Portugal, Spanien” (Sång 11), “Horcht der Glocken bangem Ton” (Sång 6), “Weile an dieser Quelle” (Epistel 82), “So trolln wir uns ganz fromm und sacht” (Sång 21), “Fahrt wie der Satan” (Epistel 73) und “Ich sah dich in der Yxsmedsgasse” (Epistel 28).

Ein rundum gelungener Abend.

Uta Helmbold-Rollik

7. Februar: “Da ich bin, so will ich leben” — Ensemble des Winterstein-Theaters spielt Bellman

Sonntag nachmittag traten dann die “Bellman-Freunde” des Eduard-von-Winterstein-Theaters aus Annaberg-Buchholz (Erzgebirge) mit einem Bellman-Programm für uns auf: “Da ich bin, so will ich leben”.

Die Sänger und Schauspieler Gerd Schlott, Maria Richter, Daniel Koch und Kajsa Boström illustrierten die Bellman-Lieder in kleinen Szenen und fügten sie zu einem Schauspiel zusammen. Kajsa, die musikalische Leiterin, und ihr Vater, Gunno Boström, der extra aus Uppsala angereist war, begleiteten brilliant mit Keybord, Akkordeon und Flöte.

Gleich mit dem ersten Lied: “Schau unsre Schatten”, das Kajsa und Gunno mit Flöte und E-Piano interpretierten, wurden wir in die Welt Bellmans des 18. Jahrhunderts in Schweden entführt, in der der Tod immer gegenwärtig war. Auch das folgende Wiegenlied für den kleinen Karl, das Maria sehr gefühlvoll sang, entstand unter dem Eindruck des Todes eines seiner älteren Söhne.

Aber schon wendete sich die Stimmung, und Daniel trat temperamentvoll auf die Bühne mit dem Lied, das dem Programm den Namen gab: “Da ich bin, so will ich leben”. Da wir nun einmal hier auf der Erde sind, wollen wir auch das Beste daraus machen! Diese Lebenseinstellung zog sich dann auch durch die ganze Vorstellung: Liebe, Lebensfreude, Freundschaft, wunderbare Naturstimmungen, aber auch persönliche Tiefpunkte des Lebens, die uns jedoch nicht umwerfen können.

So spielten Maria, Kajsa, Gerd und Daniel als Ulla, Camilla, Bellman, Movitz und Mollberg und füllten als Schauspielersänger die Lieder Bellmans durch Gesang und Spiel mit Leben. Bei den reinen Gesangsdarbietungen, die wir schon mehrfach bei unseren Treffen erleben durften, waren wir meist auf unsere Fantasie angewiesen. Hier wurden die feine Erotik, der Charme und die Gefühle, die wir bei Bellman so lieben, auf der Bühne voll ausgespielt.

Ein Innehalten gab es, als Gerd Schlott Prosa Bellmans rezitiert, z.B. über den Mond. Ein Text, der immer noch aktuell zu sein scheint. Als Zugabe sangen wir alle das bekannte “Weile an dieser Quelle” noch einmal gemeinsam.

Ein wunderbarer Nachmittag, den uns die “Bellman-Freunde” dargeboten haben. Schade, daß viele bereits nach dem Mittagessen die Heimreise hatten antreten müssen, so daß nur eine kleine Gruppe in den Genuß dieser exzellenten Aufführung kam! Klaus-Rüdiger Utschick, der Vorsitzende der Deutschen Bellman-Gesellschaft, sagte in seinem Dank an das Ensemble: “Bellman spielte gelegentlich Theaterstücke auf Schloß Haga nur für den König und seine Familie. Wir waren kaum ein größeres Publikum — jeder einzelne von uns durfte sich bei dieser Vorstellung auch deshalb vorkommen wie der König auf Haga”.

Uta Helmbold-Rollik