Warum fahren wir so gerne auf die Waldeck?



Zum vierten Male durfte die Deutsche Bellman-Gesellschaft im Februar 2010 die Gastfreundschaft auf der Burg Waldeck genießen.

Sie ist in den vergangenen Jahren ein Fixpunkt unseres Vereinslebens geworden. Seit 2005 finden dort unsere jährlichen Mitgliederversammlungen abwechselnd mit dem Labsaal in Berlin-Lübars statt. Wir lieben die Burg Waldeck als Treffpunkt, weil sie Anziehungspunkt für viele interessante und musikalische Menschen ist. Dies haben wir bislang nirgendwo in Deutschland finden können. In Schweden gibt es eine ungebrochene Freude am gemeinsamen Singen und Musizieren. Bei uns in Deutschland hat der Kulturbruch des Dritten Reiches die Unbefangenheit für das deutsche Liedgut genommen. Viele Leser des “Köpfchens” kennen sicherlich das Lied von Franz Josef Degenhardt “Wo sind eure Lieder, eure alten Lieder”, in dem er auf ergreifende Weise diesen Verlust beschreibt.

Auf der Waldeck treffen sich Menschen, die die deutsche und internationale Liedtradition gegen alle Widerstände weitergetragen haben. Diese lebendige Vielfalt, die wir jedes Mal erleben durften, beeindruckt uns immer wieder. So findet abends immer ein wunderschöner musikalischer Austausch statt. Auf der Waldeck wurde auch immer Bellman gesungen und einige Mitglieder der ABW sind bei uns schon früh beigetreten und sehr aktiv. Das Ergebnis: Wir sind schon zum vierten Mal hier.

Den Konzerten, die nicht nur für uns veranstaltet werden, folgen die legendären Nächte der “Offenen Bühne”, die für uns jedes Mal ein Erlebnis sind. Dieses Mal hat uns Familie Boström, Kajsa und ihre Eltern Gunno und Hillevi, mit ihrer Musikalität erfreut, besonders Hillevi mit ihrer Jazzstimme, die wohl als erste Schwedin auf der Waldeck gejodelt hat. Wir Bellmanianer bleiben nicht unter uns, sondern lernen von den Waldeckern und ihren Freunden, die wir hier treffen, neue Lieder, witzige Geschichten, hören Anekdoten, auch aus der Waldeck-Geschichte. In dieser unkomplizierten kreativen Atmosphäre ist jeder Neuankömmling sofort willkommen. Wichtig: Auch wenn man nicht selbst singt und musiziert, ist man ebenso willkommen.

Es kann in dieser freien und anregenden Atmosphäre sogar geschehen, daß man sich mit vorher unbekannten Menschen schnell ins Gespräch vertieft und fast die Mahlzeiten verpaßt. Das Essen ist bekanntermaßen ausgezeichnet. Es gelingt Dodo und ihrem Team immer wieder, leckere Mahlzeiten hinzuzaubern, die alleine schon einen Besuch der Waldeck lohnen. Nach den Mahlzeiten, mit fröhlichem Magen, wird oft noch so lange diskutiert und gelacht, daß Burgvogt Happy uns bitten muß, an die Bar oder ins Kaminzimmer zu gehen, damit das Küchenteam aufräumen kann.

Die Waldeck ist gaststättenmäßig ein Club, deshalb darf zur Freude der Raucher an der Bar geraucht werden. Der Konzertsaal, das Kaminzimmer, in dem die legendären Nächte der “Offenen Bühne” stattfinden, der Speisesaal im Keller und die Schlafräume sind Nichtraucherräume.

Der sehr gute Wein und die anderen Getränke an der Bar werden zu zivilen Preisen ausgeschenkt, so wie die Preise für das Gesamtangebot überhaupt sehr angenehm sind. Das haben wir der jahrzehntelangen ehrenamtlichen Arbeit zum Beispiel von Ali und Jacky, die auch Mitglieder bei uns in der Bellman-Gesellschaft sind, zu verdanken. Im Skandinavischen gibt es für Menschen, die viele Jahre für eine Sache stehen, sich selbst ausbeuten, vom Feinsten organisieren und nicht zuletzt einen Daumen auf den Kosten haben, einen Begriff: Sie sind eine “Feuerseele”. Auch dieses Mal danken wir unserer Feuerseele Ali für das wieder sehr gelungene Bellmantreffen 2010 auf der Waldeck.

Borghild Niemann