Zum fünften Mal auf Burg Waldeck

Die Mitgliederversammlung der Deutschen Bellman-Gesellschaft e.V. fand vom 3. bis 5. Februar 2012 wieder mal auf der Burg Waldeck statt. Dass die Mitglieder diesen Versammlungsort besonders schätzen, zeigte die große Teilnehmerzahl sowie die zahlreichen mitgebrachten Gäste der aus der ganzen Bundesrepublik und sogar aus Österreich angereisten “Bellmanianer”.

Der Burgvogt “Happy” Freund stellte die Räumlichkeiten zur Verfügung, Ali Kuhlmann und Helga Steger kümmerten sich um deren Belegung, Dido Freund und ihr Team machten das Wochenende schmackhaft und die Gäste satt, die Künstler und Referenten füllten die Vormittage, Nachmittage und Abende mit farben- und klangvollen Inhalten, und die Bellmanfreunde redeten, lachten und sangen. Die drei Tage waren voll der schönsten und anregenden Erlebnisse in gemütlichem und freundschaftlichem Ambiente. Ja, wir sind froh, dass wir ABW’ler in unserem Bellman-Verein haben, die die Grundsteine für unsere Bellman-Waldeck-Affinität legten. Und die sich dann auch immer wieder die Mühe machen, solch eine Veranstaltung mit zu planen und zu organisieren. Danke, Ali und Helga, für Euer Tun.

Bereits Freitagabend waren die meisten Gäste angereist. Keiner wollte sich das leckere Abendessen entgehen lassen und keiner unseren TOP 1 verpassen, das erste öffentliche Konzert mit dem Titel: “Tränk Deine Asche”, zu welchem T. Micha einlud, ein Berliner Sänger der sich schon seit einigen Jahren mit Carl Michael Bellman beschäftigt und Liederabende ausrichtet. Mit Gesang, Gitarrenspiel und fundierten Kenntnissen brachte er dem Zuhörer gefühlvoll Bellman­lieder nah, die nicht so häufig interpretiert werden. Seine Darbietung war dadurch äußerst spannend und anregend und motivierte dazu, sich in Zukunft mit dem weniger bekannten Liedgut Bellmans zu beschäftigen.

Im Anschluss an das Konzert gab es die erste Offene Bühne im Kaminzimmer am wärmenden Feuer. Verschiedene Musiker (alte und neue, Profi- und Amateurhasen) gaben die unterschiedlichsten Lieder zum Besten, für Rhythmik und Chor sorgte die sangesfreudige Bellman-und-Freunde-Gesellschaft. Den “Neulingen” fiel es nicht schwer mit einzustimmen. Wie schön, dass die Waldeck für diese Art von Begegnungen Raum bietet!

Der Samstagmorgen begann - unter den prüfenden Blicken der von Happy so ausdrucksstark gemalten “Wilden Tiere”: Nashorn, Tiger, Schimpanse, Giraffe und Bär - mit Rührei und Speck, Kaffee und Tee, Brötchen und Brot, sich einstimmend auf TOP 2, den anstehenden Lieder-Workshop von Jürgen Thelen. Angelehnt an T. Michas Konzert vom Vorabend, dem “unbekannten” Bellman auf die Schliche zu kommen, hatte Jürgen für uns neue Lieder ausgewählt, die es zu lernen galt - auf Deutsch und auch auf Schwedisch.

Der eigentliche Anlass unseres Treffens: TOP 3, die Mitgliederversammlung, fand nach einem herrlichen Mittagessen statt. Und ein Entschluss, der die Waldeck betrifft, wurde gleich gefasst. Gerne wollen wir uns in zwei Jahren wieder hier zum konzertanten Tagen treffen, wenn möglich! .... Ja, ihr ABW’ler, die Bellman-Truppe werdet ihr nicht mehr los!

Das sonnige, aber eisige Wetter mit Minusgraden um die minus dreizehn Grad Celsius motivierte die Wanderlustigen zu Ausflügen auf die sonnige Höh oder hinunter zur alten Burg. Es ließ sie aber ebenso schnell wieder in die Kulturwärme zurückfinden.

Ein volles Haus zum öffentlichen TOP 4, Puppenspiel und Bellman-Klang. “Von Liebe, Wein und Tod - ein Drama mit Puppen und Gesang” lautete der Titel des Spiels von Karin Bayerle und Peter Ketturkat aus Briedel (www.ketturkat.com). Das interessierte Publikum schaute sich gebannt die außergewöhnliche Darbietung des Märchens vom eigensinnigen Kind an, auf der kleinen, klar strukturierten, in Schwarz, Silbergrau gehaltenen Bühne, der hin und wieder ein kräftiger farblicher Akzent in Rot, Braun oder Grün hinzugefügt wurde. Hier lebte das Kind, eine handbewegte Gliederpuppe, seinen Eigensinn aus - bis über den Tod hinaus. Und dazu sang und rezitierte Peter Ketturkat Lieder von Bellman und Degenhardt und Texte frei nach den Gebrüdern Grimm.

Etwas ganz anderes, den TOP 5, präsentierte uns am frühen Abend Pit Klein: seinen Vortrag “Graßhoff und Bellman”. Pit, auf der Waldeck gut bekannt, war lange Zeit Reporter und Redakteur im Radioprogramm von SWF 2/SWR 2. Eine Recherche führte ihn zu dem mittlerweile in Kanada lebenden Schriftsteller und Zeichner Fritz Graßhoff, der damals bereits seit über fünfundzwanzig Jahren an seiner Übertragung von Bellmans Hauptwerk, den 82 Episteln von Fredman, gearbeitet, aber noch keinen Verlag dafür gefunden hatte. Das konnte Pit zwei Jahre später, zum zweihundertsten Todesjahr des großen Schweden im fahre 1995, gelingen. Pit berichtete von seinen Gesprächen und über den anschließenden Briefwechsel mit Fritz Graßhoff, und sein Vortrag war nicht nur informativ, sondern auch berührend. Man lauschte den sehr persönlichen Worten eines Mannes, mit dessen Übertragungen und Interpretationen der Werke Bellmans man schon häufig zu tun hatte. Man kam Graßhoff näher, und es entstand eine nachdenkliche Stimmung, aus der Pit sein Publikum aber mit ein paar humorvollen Graßhoff-Gedichten wieder rausholen konnte.

Der Eindrücke für den Samstag nicht genug! Der interessierte Gast, vielleicht ein “Bellman-Neugieriger”, konnte nach einer kurzen Pause noch weitere zwei Stunden Kultur genießen. TOP 6: “Fiedel und Flinte” - Räuberpistolen vom Schinderhannes & Co - von und mit Jürgen Thelen (www.dilldapp.de) und Andreas Krall aus Mainz. Lachsport pur! Der Zuschauer lachte und staunte sich durch das spritzige Programm, welches durchtönt wurde von einer großen Vielfalt der von Jürgen gespielten zum Teil historischen Instrumente. Ein Programm, in welchem Andreas den Zuschauer mit Zaubertricks der besonderen Art verzauberte, ein Programm mit einer Liedervielfalt sondergleichen, mit der unterhaltsamen Komik der Hunsrücker Räuberschulgeschichten, ein Programm, das man gesehen und erlebt haben muss!

Zweite Offene Bühne, wieder im Kaminzimmer, wieder mit der Möglichkeit, von Happys guten Weinen zu kosten, oder einfach ein Bier zu trinken. Kurzum: “Bier, Wein und Gesang” à la Bellman. Achim Maas, Günter Gall sind da zu nennen, die in vergangenen Jahren bereits viel Bellman zum Besten gaben. Die unermüdliche Babusch, Jacky an der Tuba, Max Erben zur Gitarre, Roll der Geiger, und noch dies und das ... bis in den frühen Morgen.

Sonntag war der dritte Veranstaltungstag. Wieder Tagesbeginn mit Rührei und Speck und den wilden Tieren im Speiseraum. Nicht weniger gemütlich als zu Beginn, eher heimeliger. TOP T ließ nicht lange auf sich warten - wieder ein voller Saal zur großen Show von Annemarie Frank und Jochen Leibl alias Joachim Bell (www.musik-und-magie.de) aus Ludwigshafen. “Musik und Magie” nannte sich ihre Präsentation. Jochen ließ Karten kommen und gehen, Bällchen verschwinden und verfärben, machte den “alten” Seiltrick, den man doch schon so lange glaubte, durchschaut zu haben ..., und es war immer alles anders als erwartet! Er verstand es, auf äußerst sympathische Art sein Publikum zu irritieren, es in Staunen und Lachen zu versetzen und es letztlich an die Magie glauben zu lassen. Annemarie, seine Partnerin, blieb indessen unzersägt (der Mythos der zersägten Jungfrau scheint dahin zu sein), sie klagte dem Zuschauer dafür aber musikalisch umso mehr ihr Leid als unerfüllte Zaubererassistentin. Ihre Sehnsüchte drückte sie in frechen und urkomischen Couplets, Chansons und Liedern von Friedrich Hollaender, Georg Kreisler u. a. aus. Der Saal tobte vor Lachen!

Und damit endete der offizielle Teil des Bellman-Wochenendes. Von der Einkehr bei Thea im Steffenshof muss nicht mehr berichtet werden, auch nicht mehr von der dritten Offenen Bühne am Abend im Kaminzimmer...

Haltet uns die Waldeck warm für unser nächstes Treffen in zwei Jahren und kommt doch einfach mal dazu...

Ganz herzlichen Dank!

Mercedes Oeß