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Aus der Bellman-Postille Nr. 1








Gustafs skål! War Bellman ein Opportunist?

Bellman war ein glühender Monarchist und Gustavianer. Hans Nilsson, der in Hwad Behagas? 2000/3-4 einen Vergleich mit Cornelis Vreeswijk anstellt, konstatiert, daß Bellman seinen König verehrte, Cornelis dagegen mit seinem König Spott trieb, und meint: “Cornelis nahm im Unterschied zu Bellman politisch Stellung.” War Bellman ein Opportunist?

In einer Replik in der folgenden Nummer von Hwad Behagas? 2001/1-2 unter der Überschrift “Bellmans polska affärer” (s. nächster Artikel) betont Gunnar Hillbom: “Hans Nilsson hat recht, wenn er feststellt: ‘Bellman verehrte seinen König, Cornelis trieb Spott mit seinem’. Aber Cornelis’ Königsspott in den 1960er und 1970er Jahren war politisch harmlos und ohne jedes Risiko. Bellmans öffentlich bekundete Königsliebe dagegen war 1772 eine klare und alles andere als ungefährliche politische Stellungnahme.”

Wie war die Situation 1772? Schweden hatte nach den verlustreichen Kriegen Carls XII. seine Großmachtstellung verloren, und in der sogenannten Feiheitszeit seit den Tagen Friedrichs I. war der König ein Herrscher mit einer sehr begrenzten Macht geworden: Das Land wurde beherrscht von den beiden politischen Parteibildungen (den “Mützen” und den “Hüten”), den mächtigen Reichstagsausschüssen und dem Reichsrat, der die Gesetze, ohne den König zu fragen, mit dessen Namensstempel unterfertigte. Und Bellman fürchtete wie viele andere, daß das Land ohne klare Führung Gefahr lief, das Schicksal Polens zu erleiden. Bellman setzte seine Hoffnung auf Beendigung des korrupten Regimes *) durch die Wiederherstellung der Königsmacht.

Irgendwann im Frühjahr oder Sommer 1772 schrieb Bellman zu einer populären Melodie das Lied Gustafs skål! Die weiteren Zeilen nach der (mit der Überschrift identischen) Eingangszeile sind eine scharfe Abrechnung mit den Herrschenden und eine unverblümte Aufforderung an Gustaf, die Zügel in die Hand zu nehmen:

Gustafs Skål! Gustafs Wohl!
Der beste König, den der Norden hat,
duldet nicht,
daß die Waage ungleich wägt.
(duldet keine Ungerechtigkeit)
Den bäste Kung som Norden äger
han ej tål
att viktskåln ojämnt väger.
God och glad Froh und gut
verachtet er die Herrschaft des Hasses

(von Parteien, die sich haßerfüllt bekämpfen),
han ilskans råd föraktar
samt avvaktar wartet ab
(bis seine Zeit gekommen ist)
och betraktar und betrachtet
die hochgradige Torheit
(des Parteienregimes).
Dårskap i sin grad.
Sådan Kung Solch ein König
ist wert, Schwedens Schicksal zu lenken,
är värd att styra Sveriges öden,
rask och ung, rasch und jung,
nicht ratlos in der Not.

Diese Zeile entstand, wie Olof Byström (Bellmansstudier 6, S. 78) mutmaßt, in der spontanen Situation des Revolutionstages, als Bellman den Offizieren der Garnison dieses Lied beibrachte; vorher hatte die Zeile gelautet: Frisk och ung / Han trotsar själva döden. (Frisch und jung | trotzt er selbst dem Tod.)
ej rådlös uti nöden.
Wasa ätt har aldrig lärt att svika, Wasa Stamm nie lernte zu betrügen,
nie zu zaudern,
doch zu streben,
stets das Rechte zu tun.
aldrig tvika,
men att fika,
till att göra rätt.

Das brisante Lied wurde in der Göteborger Zeitung Hwad Nytt? Hwad Nytt? vom 17. August veröffentlicht, nicht ohne einen distanzierenden Kommentar des Herausgebers. Am 19. August führte der König tatsächlich den herbeigesehnten Staatsstreich aus. Wäre er gescheitert – was hätte Bellman dann wohl zu erwarten gehabt? Schon Olof von Dalin, vordem Gustafs Erzieher, war nach einem gescheiterten Putschversuch von Gustafs Vater nur knapp einer Anklage und Verurteilung wegen Hochverrats entgangen.

Mit seinem “weniger kunstvollen als hurtig mitreißenden Lied . . . leistete Bellman einen wirklichen Einsatz in der Geschichte der Revolution.” (Olof Byström, a.a.O., S. 87)

(K.U.)

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Der Wirtshausdisput über “Polens Affären”


Wie Mollberg unschuldig im Rostocker Krug litt. Fredmans Epistel No. 45. Lithographie von Elis Chiewitz, 1827/28

In Bellmans Dichtung finden sich eine Reihe von Satiren über die damals verbreiteten politischen Stammtische, sogenannte “Klubs” in den Kneipen und Kellerspelunken, Wirtshäusern und Kaffeehäusern. Diese Satiren in Form von Liedern oder dramatischen Miniaturen mit Couplets parodieren die im Fuseldunst schwadronierenden Besserwisser nach dem Vorbild des politischen Kannegießers in Holbergs Komödie.

Drei dieser Parodien – Klub N:o 4 Apropos Krakau, Klub N:o 5 und Fredmans Epistel 45 – handeln von Disputen über Polen. Im Jahre 1772 redete man über die “polnischen Affären”. Die Bürgerkriege um die Erbfolge hatten Polen geschwächt und unter den Einfluß von Schwedens Erzfeind Rußland gebracht. Viele sahen in der bevorstehenden Teilung Polens eine wohlverdiente Strafe, andere wie der Mollberg der Epistel 45 betrachteten sie als Tyrannei und als Verletzung der Freiheitsrechte eines Volkes.

In der Epistel berichtet Mollberg, wie er im Kruge Rostock, in einen solchen Disput geraten, “unschuldig leiden” mußte. Das Rostock war ein traditionsreiches und renommiertes Wirtshaus in einem stattlichen Steinbau an der Västerlånggatan 45 in der Gamla Stan. Mollberg spielt und singt eine Polska. Um ihn herum sitzen “verständige Leute”, zwei Gerichtspersonen sind darunter, ein alter Sergeant und ein Leibtrabant. Ein gutbürgerliches Publikum also in diesem gutbürgerlichen Wirtshaus. Man trinkt und hört zu. Plötzlich tritt einer auf Mollberg zu und versetzt ihm eine Maulschelle. Es ist ein Schuster, säbelbeinig und lang.

Wie sah er sonst aus? will Fredman wissen.

Nun, ungesund sah er aus, und triefäugig war er, trug schwarze lederne Hosen und dunkelblaue grobe Strümpfe, auf der Weste ein Gehänge mit einem kurzen Degen, einen gestreiften Hausmantel als Überrock, Hut mit Krempe, Cordon und Band, Spazierstock in der Hand. Seinem Aufzug nach zu urteilen, wohl ein recht gutsituierter und gewichtiger Bürger.

Allerdings einer, mit dem nicht gut Kirschen essen war. Mollberg weiß über ihn zu berichten: Wenn der wütend wurde, schlug er auf die Werkstatt ein, daß Bank und Bett, Fenster und Türen zitterten.

Noch hört man sich im Rostock die Polska an, die Mollberg spielt und singt. Aber die Atmosphäre ist aufgeheizt, die Stimmung gereizt. Unversehens schlägt ihm einer den Hut vom Kopf, und ein anderer zischt ihn an: “Was zum Teufel gehen dich Polens Affären an? Hör auf Polska zu spielen und halte deine Zunge im Zaum!”

Mollberg aber nimmt ruhig einen Schluck aus dem Krug und spricht über die “Konjunktur” Polens. Die war ausnehmend schlecht in diesen Tagen kurz vor dem 5. August des Jahres 1772, an dem die erste polnische Teilung besiegelt werden sollte. Und Mollberg sagt trotzig: “Wisset, ihr guten Herren, kein Monarch der Erde kann meiner Hand verbieten, auf meiner Harfe Polska zu spielen, solange sie noch eine Saite hat.” Damit hat er vollends die Stimmung gegen sich. Der Sergeant, die Gerichtspersonen und der Leibtrabant rufen: “Schlagt ihn!” – “Der Schuster hat recht!” – “Polen hat seine Strafe verdient!” Aus der Abstellkammer stürzt “eine schielende Madame” hervor, zertrümmert Mollbergs Harfe, und der Schuster demoliert ihm Nacken und Nase.

Die am Ende der “Freiheitszeit” verbreitete Mißachtung Polens und seines Fortbestandes ging einher mit der Bereitwilligkeit der herrschenden Parteien Schwedens und ihrer Klientel, die Souveränität des eigenen Landes den Annehmlichkeiten der Protektion von Seiten Rußlands und Frankreichs zu opfern. Ja, auch Schweden war vor einer russisch–preußischen Intervention keineswegs sicher – eine Gefahr, die nach dem Staatsstreich Gustafs III. am 19. August 1772 gebannt war. Die Ep. 45 zeichnet bei all ihrer Parodik ein realistisches Stimmungsbild, wobei Bellmans eigener Standpunkt von Mollberg vertreten wird.

(K.U.)

Lit.: G. Hillbom, in der 1990er Ausgabe von Fredmans Episteln Bd. II, S. 202 und 262

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Med violen vid vår kanna
prisas Mamselle Clara ren,
och med stråken Herr Malén
syns på noten stanna.
Vi med rolig anlets-färg
oss till dans nu para,
på Sabathsberg :||:
hälsa Mamsell Clara.

Veilchen sind an unserm Kruge,
da wir Claras Fest begehn.
Spiel die Geige, Herr Malén,
auf die Noten luge!
Froh mit rosigem Gesicht
stehn wir Tänzerpaare,
treten ins Licht, :||:
grüßen Mamsell Clara.

Clara, Tochter der mit Bellman befreundeten Eheleute Westman, wurde an einem 12. August Anfang der 1790er Jahre mit einem Namenstagslied von Bellman geehrt. Auf dem beigefügten Aquarell von Per oder Ulrica Hilleström sehen wir einen Mann aus einem Krug trinken und eine weitere Person, einen Herrn Malén, die Geige spielen. Das Gedicht ist nicht vollständig überliefert. In Standardupplagan, Bd. 12, Nr. 32, bricht das Lied ab mit “Medlertid i”. Im Kommentar wird dazu ausgeführt:
“Zweite Strophe defekt; von den letzten vier Zeilen ist folgendes lesbar:
Medlertid i osku – – – bär och blommor – – – sen skall hon – – – bädda åt sin – – – . ”

Setzt man nun diese Wörter in die Zeilen ein, kann man versuchen, mit Hilfe von Metrum und Reimschema die wenigen fehlenden Wörter, sozusagen die passenden Puzzlestücke, zu finden und so das hübsche Ständchen für die kleine Clara wiederherzustellen, das zur gleichen Melodie wie Fredmans Gesang 37 gesungen wird:

Må hon säll och lycklig vara
till en frögd för Far och Mor.
Liten heter en gång stor
mer eij lilla Clara,
medlertid i oskuld sku
bär och blommor plocka.
Sen skall hon ju :||:
bädda åt sin docka.

Glücklich sei sie alle Jahre,
ihrer Eltern holde Ros.
Klein heißt eines Tages groß,
nicht mehr kleine Clara.
Nun pflückt sie mit ernster Mien’
Blumen und Reinetten,
wird daraufhin :||:
ihre Puppe betten.

Notabene: Ich berichtete Gunnar Hillbom über diese “Restaurierung” telefonisch im August 2003. Gunnar schrieb den Text auf, dann sagte er kurz “So könnte es gelautet haben” und sang die ergänzten Zeilen des Liedes. “Das mußt Du veröffentlichen, Klaus!”



(K.U.)

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Bellmans Zorn

Bellman mangelte es keineswegs an Selbstwertgefühl und Fähigkeit seine Würde gegenüber den petit-maîtres des Hofes zu behaupten, z.B. gegenüber dem Hofjunker Göran Otto Wallencreutz, einem ausgeprägten Narr, bekannt für seine feminine Eleganz und seine große Nase. Ein Zeitgenosse Bellmans, Lars von Engeström, berichtet in seinen Erinnerungen: Als im Jahre 1783 König Gustafs Theaterstücke im Schloß Ulriksdal aufgeführt wurden, erhielt jeder Mitwirkende einige Billets mit seinem Namen, den der König eigenhändig darauf geschrieben hatte. Die Billets durften beliebig weitergegeben werden. Der berühmte Bellman gab eins von seinen an Wallencreutz, der das Billet entgegennahm, um dabeisein zu können, jedoch um zu verbergen, daß er unter Bellmans Schutz hineingelangte, dessen Namen wegschnitt. Davon unterrichtet, ließ Bellman am folgenden Tag in der Zeitung Dagligt Allehanda eine Annonce einrücken...”.
Die augenfällig plazierte, unsignierte Annonce vom Donnerstag, 24. April 1783, besteht aus einem einzigen Satz (Übersetzung):

“Einer von denen, die vergangenen Samstag gemäß gnädiger Erlaubnis ein Billet für Ulriksdals Spektakel einem seiner Bekannten verehrt hat, welcher bis dahin niemals Eintritt erhalten konnte, hat erfahren, daß dieser den Namen abgeschnitten hat, vermutlich um auf undankbare Weise seinen Wohltäter zu verleugnen, und läßt hiermit diesen Herrn wissen, daß, wenn er ihm nicht bei erster Gelegenheit öffentliche und anständige Reputation gibt, er seinen Namen und seine Nase in diesem Blatt ausgestellt finden wird.”
(Quelle: StU 6, Komm. S. 16)

(K.U.)

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Bravo! Bra! Bravissimo!

Wir kamen am frühesten frühen Freitagabend in den Festsaal des im 17. Jahrhundert erbauten Schwedischen Zeughauses. An den Wänden Barbara Gaugers faszinierende Bilder zu Bellman-Szenen. Wir wanderten von Bild zu Bild, mit köstlichem Weißwein im Glas. Im Hintergrund Musik: Hans-Peter Riermeier am Piano.

“Bellman in Wismar”, das war eine gelungene Abfolge von Bilderausstellung, Weinprobe, Abendkonzerten, Matineen, Vorträgen, Lesung und Stadtrundgang, um nur die offiziellen Teile des “Festivals” zu nennen. Die musikalischen Darbietungen, über die ich berichten will, bewiesen eindrucksvoll, daß man sich Bellman auf sehr unterschiedliche Art und Weise nähern kann.

Freitagabend: Andreas Fryes geschmeidiger und klarer, differenzierter Gesang zur Gitarre und zu Tim Begers kontrapunktischem Klarinettenspiel. Andreas gestaltet seinen Auftritt nicht als Vortrag einzelner Lieder, sondern als zusammenhängendes Bühnenstück. Das gelingt ihm makellos.

   

Samstagnachmittag: Zuerst die Lesung mit Gesang, Bellmans Bacchusfest. Die Rollen wurden vorgetragen von – auf dem Foto von links nach rechts – Gunilla Witzke (Ede), Jörg Hensel (Gåse), Katarina Zimmer (Ulla), Klaus- Rüdiger Utschick (Jensen), Kai Woellert (Planberg), Carl- Christian Gelfert (Collin), Andreas Frye (Ek), Ilona Bittihn (Öhman), Jürgen Kleinholz (Trundman). Zwei der elf Couplets wurden von Jörg Hensel und von Andreas Frye eigens für diese Lesung komponiert. Katarina als Ulla Winblad bekam Szenenapplaus nach der ersten Strophe ihres Liedes, das sie mit wunderschöner klarer Sopranstimme ausdrucksvoll vortrug. Am Klavier agierte temperamentvoll und routiniert Hans-Peter “Mowitz” Riermeier.

Danach das Rokoko-Ensemble von Dieter Möckel. Mir gefiel besonders das neckisch vorgetragene Duett Mollberg und Camilla (Fredmans Gesang Nr. 46), in dem Möckel-Mollberg die Schäferin Camilla, in Gestalt="" der Cellistin Claudia Koch, bedrängt, und diese ihn zunächst spöttisch abweist, um am Ende doch ihre Niederlage einzugestehen. Unversehens fanden wir uns in Bellmans Tagen wieder, um 1790, zu Gast bei Freunden von Carl Michael, und wir lauschten der Hausmusik bei der Familie Westman auf Sabathsberg: Es ist Bellman selbst, der die Rolle des um Camilla buhlenden Mollberg spielt und die Laute schlägt, und es ist Frau Elisabeth Westman, die als Camilla die kratzbürstigen Repliken gibt und das Cello streicht, und es ist eine Verwandte von ihr, die die Flöte bläst (Christina Catharina Lampa StU XI Komm 68).

Samstagabend: Martin Bagge mit Gitarre und “Hamburger Cithrinchen”, einem Nachbau des Instrumentes, das Bellman von seinem Großvater geerbt hatte. Martin wird von der Cellistin Ulla Rönnborg begleitet. Er läßt die verschiedenen Figuren vor uns aufleben, in all ihrem Überschwang, in ihrer Tragik und Lächerlichkeit: Er tut es wie Bellman, ahmt ihre Stimmen nach, manchmal krächzend oder fistelnd, und zeigt nur in den (leider!) wenigen lyrischen und erzählenden Passagen der Lieder das wohltönende Timbre seiner Stimme. Immer wieder kann er Ulla ein belustigtes Lächeln entlocken, was Bellman bei Ulla Winblad, wie wir wissen, nur selten gelungen ist.

Von links: Dieter Möckel, Achim Maas, Andreas Frye, Martin Bagge; vorne: Ulrich Hermann.
Foto: Joachim Buch

Im Wirtshaus “To‘n Zägenkrog”, wo am Samstag nach Martins Konzert etwa 60 Plätze für uns reserviert waren, ging es musikalisch hoch her. Hans-Peter mit Bellman und eigenen Improvisationen am Klavier; Andreas mit deutschen Scherzliedern; Martin (am Klavier!) und Ulla mit Dan Andersson und Evert Taube. “Allsång” war angesagt, schwedisch und deutsch. Als besonders textsicher und auch gesanglich voll auf der Höhe erwies sich ein älterer Herr aus Hof: Bertil Englund, pensionierter Posaunist der dortigen Symphoniker. Die Gesellschaft wurde immer lustiger, und der Raum immer voller, und Ulla verstaute ihr Instrument vorsichtshalber im Futteral. Es war halb fünf, als wir uns zu unseren Hotels begaben.

Sonntagmittag: Den Auftakt zur Matinee machte - welch erfreuliche Überraschung! - Achim Maas. Er trug Bellman-Nachdichtungen von Klabund, Zuckmayer und Artmann vor, feinfühlig und knorrig, natürlich in eigenen Arrangements. Und animierte erfolgreich zum Mitsingen!

Dann das Bellmankonzert von Ulrich Hermann. Er präsentiert zu einem frischen Gitarrenklang einen schnörkellosen Bellman mit sehr gut verständlicher Artikulation; es sind Ulis eigene Übersetzungen, ohne die antiken und nordischen Götter und mythischen Fabelwesen, mit denen Bellman Stockholm belebte. Sehr überzeugend gelingt Uli die Epistel “über Mowitz, der auf der Straße verprügelt wurde, weil die Quintsaite auf seiner Baßgeige riß”. Ja, ein Saitensprung kann Folgen haben, und das exekutierte Uli hinreißend: Pong-pongtuli-pongtuli! Diese mit den Lippen nachgeahmten gezupften Töne der Baßgeige klatschten wie Ohrfeigen, und auf der Bühne stand der zupfende Mowitz und der prügelnde Leibtrabant, wobei Ulis Gitarre als geprügelter Musikant herhalten mußte.

Den passenden Abschluß dieses Wochenendes mit Musik bildete ein Konzert der Musikschule Wismar mit Kammermusik des 18. Jahrhunderts: Instrumentalstücke für Cembalo, Violine, Flöten und Cello sowie Lieder von Bellman und Birger Sjöberg. Es war ein rauschendes Bellmanfest! Im begeisterten Applaus hörte man von weit her Beifallsrufe aus heiserer Kehle: Bravo! Bra! Bravissimo!

(K.U.)




 

Aus der © Bellman-Postille Nr. 1
4. Dez. 2003. Mitteilungsblatt
der Deutschen Deutsche Bellman-Gesellschaft e.V.
Redaktion: Klaus-Rüdiger Utschick 
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